Büroplanung · IT-Asset-Management

IT-Asset-Management: Grundlagen und Abgrenzung

Was zum IT-Asset-Management gehört, was Inventarisierung und CMDB davon unterscheidet und welche vier Angaben jedes Gerät braucht.

Drei Spalten nebeneinander: IT-Asset-Management für Wert, Verantwortung und Lebenslauf, Inventarisierung für den technischen Bestand aus Agenten und Scans, CMDB für technische Beziehungen aus Modellierung. Unter jeder Spalte steht die typische Frage.
Abbildung 1: Drei Begriffe, drei Aufgaben, drei Datenquellen. Wer sie verwechselt, erwartet vom gewählten Werkzeug etwas, das es nie leisten sollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • IT-Asset-Management verwaltet Wert, Verantwortung und Lebenslauf der IT-Werte. Es beginnt bei der Beschaffung und endet beim belegten Verbleib.
  • Inventarisierung ist etwas anderes. Sie erhebt technisch, was im Netz vorhanden ist, und braucht dafür einen Agenten oder einen Netzwerkscan.
  • Eine CMDB ist wieder etwas anderes. Sie beschreibt technische Beziehungen zwischen Diensten und Komponenten für den Störungsfall.
  • Die vier Pflichtangaben eines Assets sind Kennung, Kategorie, Verantwortlicher und Ort. Fehlt die vierte, ist jede Inventur eine Suchaktion.
  • Person und Ort sind zwei getrennte Angaben. Eine Person zieht um, ein Monitor bleibt stehen. Wer beides in einem Feld führt, hat nach dem ersten Umzug einen falschen Bestand.
  • Der Nutzen von ITAM zeigt sich in vier Situationen: Eintritt, Austritt, Umzug und Schadensfall. In allen vieren wird nach einem Gerät gefragt, das gerade niemand vor sich hat.
  • Eine Tabelle reicht bis etwa 200 Geräten. Darüber fehlen Historie, Protokoll und die Frage, wer wann was hatte.
  • ISO/IEC 19770-1 beschreibt den Rahmen. Für den Mittelstand sind drei Dinge daraus wichtig: eine eindeutige Kennung, ein gepflegter Status und ein Nachweis am Ende.
Definition

Was IT-Asset-Management umfasst

IT-Asset-Management ist die Verwaltung aller IT-Werte über ihren gesamten Lebenslauf. Der Begriff Wert ist dabei wörtlich zu nehmen: Es geht um Geräte, Lizenzen und Verträge, die Geld gekostet haben und für die jemand geradesteht. Die Fachbegriffe erklärt das ITAM-Glossar.

Der Lebenslauf hat fünf Stationen, und jede von ihnen ändert genau eine Angabe am Datensatz. Beschaffung setzt Kaufdatum und Preis. Erfassung setzt Kennung und Kategorie. Die Ausgabe an eine Person setzt Person, Ort und Zustand. Nutzung erzeugt Wartungsvorgänge und Ortswechsel. Die Aussonderung mit Löschnachweis setzt das Ende mit Datum und Beleg.

Fehlt ein Beleg, fehlt der Nachweis für die ganze Station. Der am häufigsten fehlende Beleg ist der letzte.
StationWas sie festhältDer Beleg dazu
BeschaffungKaufdatum, Preis, Lieferant, BestellnummerRechnung
ErfassungInventarnummer, Kategorie, SeriennummerEtikett am Gerät
AusgabePerson, Ort, Zustand, Zubehörunterschriebenes Protokoll
NutzungOrtswechsel, Reparatur, GarantiefallSichtung, Werkstattbeleg
AussonderungGrund, Empfänger, DatumLöschnachweis und Verwertungsbeleg
Abgrenzung

IT-Asset-Management, Inventarisierung und CMDB

Drei Begriffe werden im Markt beinahe beliebig verwendet, und die Verwechslung kostet Geld. Wer eine Inventarisierung kauft und ein Asset-Management erwartet, bekommt eine Liste von Rechnernamen ohne Verantwortlichen. Wer eine CMDB einführt und ein Inventar erwartet, pflegt Beziehungen, die niemand liest. Wann sich eine CMDB lohnt, beschreibt der Leitfaden CMDB und Asset-Management.

Die mittlere Spalte ist die einzige, die ohne Menschen auskommt. Die linke ist die einzige, die im Streitfall etwas beweist.
FrageIT-Asset-ManagementInventarisierungCMDB
Worum geht esWert, Verantwortung, Lebenslauftechnischer Bestand im Netztechnische Beziehungen
Woher die Daten kommenMenschen, Belege, VorgängeAgent oder NetzwerkscanModellierung und Pflege
Wer damit arbeitetIT-Leitung, Einkauf, BuchhaltungIT-BetriebServicedesk und Betrieb
Typische FrageWo steht das Gerät und wem gehört esWelche Version läuft dortWas fällt mit aus
Ohne dieses Werkzeugniemand weiß, wer geradestehtSchatten-IT bleibt unentdecktStörungen dauern länger
Für die meisten Häuser gilt

Ein sauberes IT-Asset-Management mit gepflegtem Ort schlägt eine halbherzige Inventarisierung. Die Discovery beantwortet, was läuft. Sie beantwortet nicht, wem es gehört, was es gekostet hat und wo es steht.

Datenmodell

Vier Angaben, die jedes Asset braucht

Der Feldsatz eines Inventars wächst schnell auf dreißig Spalten und wird dann nicht mehr gepflegt. Vier Angaben sind unverzichtbar, und für jede gibt es einen Grund, der sich in einem Satz erklären lässt.

  1. Kennung. Die Inventarnummer wird bei der Annahme vergeben und als Etikett angebracht. Ohne Etikett ist bei der Rückgabe nicht feststellbar, welches Gerät gemeint war.
  2. Kategorie. Sie steuert Nutzungsdauer, Pflichtfelder und Auswertung. Eine Kategorie als Freitext zerstört jede Statistik.
  3. Verantwortlicher. Die Person, die das Gerät hat, mit dem Datum der Übergabe. Ohne Datum ist die Frage „seit wann“ unbeantwortbar.
  4. Ort. Raum und Arbeitsplatz als Referenz auf einen echten Raum, mit dem Datum der letzten Bestätigung. Welches Schema sich dafür eignet, steht unter Raum- und Arbeitsplatznummerierung.

Die vierte Angabe ist die, die in den meisten Beständen fehlt oder als Text geführt wird. „2. OG Nord“ ist keine Ortsangabe, mit der sich arbeiten lässt. Sie lässt sich nicht filtern, nicht auf einem Plan zeigen und nach dem nächsten Umbau ist sie falsch. Der Weg von der Textspalte zur Referenz steht in Von Excel zum räumlichen IT-Inventar.

Der Ort hat zwei Eigenschaften, die ihn von allen anderen Feldern unterscheiden. Er veraltet von selbst, und er lässt sich nur vor Ort bestätigen. Deshalb gehört zu jeder Ortsangabe das Datum ihrer letzten Bestätigung und die Herkunft der Angabe.

Nutzen

Vier Situationen, in denen sich ITAM auszahlt

Der Nutzen eines Inventars zeigt sich nie beim Erfassen. Er zeigt sich in vier Situationen, und in allen vieren steht jemand unter Zeitdruck.

Die dritte Zeile ist die, für die in den meisten Beständen kein Feld existiert.
SituationDie FrageWas ohne Inventar passiert
EintrittWas ist auf Lager verfügbar?Es wird neu bestellt, obwohl drei Geräte im Schrank liegen.
AustrittWas hat diese Person, und ist alles zurück?Ein Gerät bleibt verschwunden und fällt erst bei der Bilanz auf.
UmzugWas steht in diesem Raum?Am Umzugstag wird gesucht, und zwei Monitore bleiben stehen.
Schaden oder DiebstahlWelches Gerät genau, mit welcher Seriennummer?Die Versicherung zahlt nicht, weil der Nachweis fehlt.

Rechnerisch ist der letzte Punkt der teuerste, der dritte der häufigste. Welche Nachweise eine Cyberversicherung nach einem Schaden verlangt, beschreibt der Leitfaden Nachweise für die Cyberversicherung. Ein Umzug von achtzig Arbeitsplätzen ohne Ortsangaben kostet zwei Personentage Suche, und zwar jedes Mal.

Alle vier Situationen haben dieselbe Voraussetzung. Der Ort muss am Datensatz stehen und auf einen echten Raum zeigen. Genau dafür ist IT-Asset-Management mit Raumplan gebaut: Jedes Gerät hängt an einem Platz im Grundriss, und jede Ortsangabe führt Herkunft und Datum mit.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen IT-Asset-Management und Anlagenbuchhaltung?

Die Anlagenbuchhaltung führt Werte und Abschreibungen für den Jahresabschluss. Das IT-Asset-Management führt Geräte, Personen und Orte für den Betrieb. Beide brauchen dieselbe Inventarnummer, sonst lässt sich nichts abgleichen. Der häufigste Fehler ist eine zweite Nummernserie in der IT. Wie Inventar und Anlagenverzeichnis zusammenpassen, zeigt der Leitfaden IT-Geräte in der Anlagenbuchhaltung.

Brauche ich für IT-Asset-Management einen Discovery-Agenten?

Nein. Ein Agent liefert technische Angaben wie Betriebssystemstand und installierte Software. Für Verantwortung, Kosten und Ort liefert er nichts. Beide Wege ergänzen sich, und der Einstieg über Belege und Ausgabeprotokolle ist der schnellere.

Ab wann lohnt sich eine Software statt einer Tabelle?

Die Grenze liegt weniger bei einer Gerätezahl als bei der Wechselrate. Sobald mehrmals im Monat Geräte den Besitzer oder den Ort wechseln, fehlt der Tabelle die Historie. Als Faustwert gilt: bis 200 Geräte bei ruhigem Betrieb reicht eine gepflegte Tabelle. Welche Bestandsgröße eine Software darüber hinaus gemessen verarbeitet, steht bei den Tarifen und Mengengrenzen.

Gehören Möbel und Schlüssel auch ins IT-Asset-Management?

Sie gehören in ein Inventar, und es spricht viel dafür, dasselbe zu nutzen. Der Feldsatz ist derselbe: Kennung, Kategorie, Verantwortlicher, Ort. Die Zuständigkeit unterscheidet sich, deshalb hilft eine Kategorie, die beides trennt. Für die nicht technische Ausstattung gibt es die Inventarliste Büroausstattung.

Was verlangt ISO/IEC 19770-1 konkret?

Die Norm beschreibt ein Managementsystem mit Rollen, Richtlinien und Nachweisen. Für den Mittelstand sind drei Anforderungen daraus praktisch: eine eindeutige Kennung je Asset, ein definierter Statuswechsel und ein belegter Verbleib am Ende. Eine Zertifizierung ist für die meisten Häuser übertrieben. Häufiger verlangt wird das Inventar der Werte nach ISO 27001. Was es enthalten muss, steht unter ISO 27001: das Inventar der Werte.

Gehören Softwarelizenzen auch dazu?

Ja, und sie folgen eigenen Regeln. Eine Lizenz hat Anzahl und Laufzeit statt Seriennummer und Ort, weshalb sie in eine eigene Liste gehört. Welche vier Angaben eine Lizenzlage beschreiben, steht unter Softwarelizenzen verwalten. Wie beide Bestände mit Fremdsystemen zusammenkommen, klären die Schnittstellen. Wie ein Hersteller die Lizenzlage prüft, beschreibt der Leitfaden Lizenzaudit vorbereiten.

Quellen und Regelwerke